
Trump geht es nicht um Iran, sondern um die globale Wirtschaftskrise

Von Igor Perewersew
Befürworter militärischer Lösungen – selbst solche, die den USA nicht gerade wohlgesinnt sind – sind verwirrt. Warum können die USA, die über eine so schlagkräftige Flotte, Flugzeugträgerkampfgruppen, Kampfjets der fünften Generation und Ähnliches verfügen, nicht einfach die Straße von Hormus besetzen und damit das Thema ad acta legen? Die Antwort besteht aus zwei Teilen. Erstens: Sie können es nicht. Zweitens: Sie wollen es nicht.
Vor einigen Tagen gab US-Präsident Donald Trump bekannt, dass die USA den Auslauf von Schiffen aus dem Persischen Golf gegen Bezahlung sicherstellen würden. Die Rede war dabei von "in etwa" 20 Prozent des Frachtwerts. Allerdings änderte er schon am nächsten Tag, wie es seine Art ist, wieder seine Meinung und sagte, die Gebühr werde auf andere Weise erhoben – nämlich durch "gigantische" Investitionen der Golfstaaten in die USA. Irans Schiffe und die der "Kunden Irans" hingegen würden Trump zufolge im Golf eingeschlossen bleiben.
Das klingt sehr bedrohlich. Und gleichzeitig undurchführbar.
Eine Flugzeugträgerkampfgruppe ist im Kern ein schwimmender Flugplatz, umgeben von einer Vielzahl begleitender Kreuzer, Zerstörer und U-Boote. Diese Begleitschiffe überwachen jede Bedrohung aus der Luft, von der Wasseroberfläche und aus der Tiefe und gewährleisten so eine tiefgestaffelte Verteidigung. Zu der Gruppe gehören in der Regel auch Versorgungsschiffe und Tanker mit Treibstoff. Selbstverständlich leistet auch die Weltraumaufklärung entsprechende Unterstützung.

Doch die Streitmacht, die seit dem Zweiten Weltkrieg alle in Angst und Schrecken versetzte, ist heute deutlich weniger furchteinflößend – vor allem dann, wenn sie versucht, nicht auf hoher See, sondern in Küstennähe zu operieren. Gegen eine solche Flottille werden Hunderte, mitunter Tausende vergleichsweise billiger Drohnen unterschiedlichster Klassen eingesetzt. Niemand rechnet dabei mit ernsthaftem Schaden durch die Treffer selbst – die Aufgabe der Drohnen besteht vielmehr darin, die Luftabwehr der Flottille zu erschöpfen. Aufklärungsdrohnen beobachten das Geschehen währenddessen gelassen aus der Distanz. Sobald klar wird, dass die Abfangraketen aufgebraucht sind, folgen ballistische Raketen und Marschflugkörper – mitunter auch Hyperschallwaffen, die im Prinzip nicht abgefangen werden können. In erster Linie wird die Start- und Landebahn eines Flugzeugträgers angegriffen, wodurch dieser keine Flugzeuge mehr starten oder landen lassen kann. Unter solchen Umständen Schiffe in die Straße von Hormus zu entsenden, wäre schlicht selbstmörderisch – erst recht, wenn es sich um einen riesigen Flugzeugträger handelt. Das sind die Dreadnoughts des frühen 21. Jahrhunderts. Genau aus diesem Grund sind die USA derzeit gezwungen, ihre Flugzeugträgerkampfgruppen (Carrier Strike Groups, CSG) in einer solchen Entfernung von der iranischen Küste zu halten und nur gelegentlich mittelgroße Schiffe einzusetzen.
Es lohnt sich zudem zu erläutern, wie genau die iranische Revolutionsgarde (IRGC) zivile Schiffe im Golf angreift, die ihre Durchfahrt nicht mit dem Iran abgestimmt haben. Es gibt keinen bestimmten Punkt, an dem eine Batterie platziert wurde und von dem aus auf jeden per Fernglas gesichteten Tanker gefeuert wird. Die Küste des Persischen Golfs besteht auf iranischer Seite aus recht hohem Gebirge: Unmittelbar am Meer steigen die Hänge steil auf 500 bis 800 Meter an, etwas weiter landeinwärts erreichen die Gebirgsketten des Zagros Höhen von 1.500 bis 2.000 Metern. In den Felsen gibt es zahlreiche Höhlen, die Schutz vor Luft- und Satellitenaufklärung bieten. Mobile Gruppen bewegen sich fortlaufend entlang der Küste in einer rund tausend Kilometer langen Zone. Die Drohnenpiloten steuern ihre Fluggeräte von erhöhten Positionen aus – keineswegs vom Startpunkt der Drohnen und unbemannten Boote selbst, denn dafür sind andere Kämpfer zuständig. Die Einheiten agieren autonom und nehmen nur selten Kontakt zur Zentrale auf, um das Entdeckungsrisiko zu minimieren. Eine solche, im Grunde genommen netzwerkartige Struktur zu bezwingen, ist äußerst schwierig.
Man kann den Iran beliebig lange für Verstöße gegen das Seerecht kritisieren. Da dieses jedoch erst vor Kurzem von den USA selbst auf äußerst demonstrative Weise außer Kraft gesetzt wurde, spricht im Westen niemand dieses Thema an.
Die USA sind also nicht in der Lage, die iranische Blockade zu durchbrechen. Können sie aber ihre eigene, gegen den Iran und in vielerlei Hinsicht auch gegen China gerichtete Blockade aufrechterhalten? Die Amerikaner fangen Schiffe auf hoher See ab. Doch während die Wahrscheinlichkeit, dass die Iraner einen Tanker versenken, fast hundertprozentig ist, ist die Erfolgsquote der Gegenseite weitaus geringer. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass sich jemand dazu entschließen wird, dieses Risiko einzugehen. Die Straße von Hormus wird daher doppelt blockiert.
Der Unterschied in der Lage beider Seiten zeigt sich auch darin, dass selbst eine Flotte, die sich im Indischen Ozean gar nicht fortbewegt, enorme Ressourcen verbraucht. Die Kosten für den Unterhalt einer sogenannten "heißen" Flugzeugträgerkampfgruppe sind 1,5- bis 2-mal höher als die einer "kalten" – wenn die Schiffe in Häfen liegen oder sich in deren Nähe befinden. Endlos kann man eine solche Gruppe dort jedoch nicht in Einsatzbereitschaft halten.
Wenn ein Abzug ohnehin unvermeidlich ist, warum ziehen sich die Amerikaner dann nicht gleich jetzt zurück? Schließlich erlebte Amerika schon weitaus schlimmere Demütigungen – etwa die Niederlage im Vietnamkrieg. Wozu all dieses Theater mit der Öffnung und Schließung der Straße von Hormus? Mit Verhandlungen, die zwar immer "gut laufen", aber schlecht enden… Zumal US-Vizepräsident JD Vance in einem Interview am 15. Juli erklärte, die USA beabsichtigten unter keinen Umständen, eine Bodenoperation durchzuführen.
Ja, die amerikanische Flotte wird eines Tages nach Hause zurückkehren – dann, wenn die öffentliche Aufmerksamkeit auf ein ganz anderes Thema gelenkt sein wird: die Wirtschaftskrise. Und genau um diese Krise herbeizuführen, befindet sie sich dort. Der Sinn der amerikanischen Blockade der Straße von Hormus besteht in eben dieser Blockade. Der Persische Golf ist die Quelle des Petrodollars. Mit der Zerstörung dieses Systems begann Trump im März dieses Jahres, als er den saudi-arabischen Kronprinzen auf dem Investmentforum in Miami öffentlich beleidigte. Heute setzt er diese Linie unvermindert fort.
Keine Lieferungen von physischem Öl – keine Gewinne für die arabischen Monarchien. Keine Gewinne – kein Geldzufluss in die USA. Und so geht es die Kette entlang weiter: Kein physisches Öl – kein Handel mit sogenanntem "Papieröl" und keine Spekulationen damit. Es fehlt an Finanzmitteln, um Anleihen zu kaufen. Die Kosten für die Bedienung der Staatsschulden der USA sind auf ein Rekordniveau von 1,35 Billionen Dollar jährlich gestiegen, obwohl die Prognose nur eine Billion vorsah! Schuld daran sind die Ausgleichszahlungen für inflationsgeschützte Anleihen. Auch der Liquiditätszufluss über den Aktienmarkt lässt nach. Infolgedessen bricht das gesamte Konstrukt zusammen, das einst von Henry Kissinger und seinen Mitstreitern so sorgfältig aufgebaut wurde.
Die Amerikaner haben eine besondere Eigenschaft. Sie verstehen es etwas besser als andere, "ausgediente Pferde zu erschießen" – dafür gibt es bei ihnen eine feste Redewendung. Wenn ein Projekt sich erschöpft hat, erkennen sie das an, auch wenn es ihnen nicht leichtfällt. Während andere emotional daran hängen und nicht loslassen können, ziehen die Amerikaner einen Schlussstrich.
Die Globalisierung in ihrer derzeitigen Form ist genau dieses "ausgediente Pferd".
Auf dem US-amerikanischen Portal MarketWatch erschien kürzlich ein ausführlicher Artikel, in dem der Autor darlegt, dass die USA die Funktion einer Krise als eine Art regelmäßiges "Reinigungsklistier" aus den Augen verloren hätten. In den letzten Jahrzehnten wurde der Markt jedes Mal, wenn er einzubrechen drohte, künstlich gerettet. Ein Kommentator von Bloomberg Intelligence erklärte dem Journalisten in diesem Artikel, dass dies auf die enormen Altersvorsorgevermögen zurückzuführen sei, die in Wertpapieren angelegt seien. Die Rettung der Rentner ist zwar durchaus lobenswert. Das Problem liegt jedoch vermutlich weniger bei den Rentnern selbst als vielmehr darin, dass die Erben der größten Vermögen keine Aktien mehr besitzen, sondern Fondsanteile – etwa bei BlackRock und anderen Vermögensverwaltungsgesellschaften. Genau deshalb kann es sich niemand leisten, dass der Aktienmarkt stark und dauerhaft einbricht. Allerdings kann er in einem solchen Zustand nicht ewig existieren, selbst rein rechnerisch betrachtet. Mit allerlei Kunstgriffen gelingt es zwar eine Zeit lang, den Toten am Leben zu erhalten, doch irgendwann müssen die lebenserhaltenden Maßnahmen eingestellt werden.
Trump und sein Team sind genau mit dieser Mission ins Amt gekommen. Trump probiert verschiedene Instrumente aus. Er führt enorme Zölle auf den Außenhandel ein. In Kürze wird er sicherlich Sekundärsanktionen gegen Indien und China wegen des Ölhandels mit Russland verhängen. Er blockiert die Straße von Hormus… Die Phasen verschärfter Spannungen mit dem Iran haben mit dem Iran als solchem wenig zu tun. Sie gehen vielmehr auf den Wunsch zurück, die Lieferungen von physischem Öl einzuschränken, sowie auf die sich daraus ergebenden Auswirkungen auf das Finanzsystem.
Wie wir sehen, sucht Trump unablässig nach dem passenden Hebel. Offenbar wird ihm das am Ende auch gelingen – die Krise wird Fahrt aufnehmen. Höchstwahrscheinlich noch in diesem Jahr.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 20. Juli 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung "Wsgljad" erschienen.
Igor Perewersew ist ein russischer Publizist.
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