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Tag des Sieges: Moskau und Washington intensivieren "Telefondiplomatie"

Russlands Außenminister Sergei Lawrow hat sein erstes Telefongespräch in diesem Jahr mit seinem US-Amtskollegen Marco Rubio geführt. Die Intensivierung der Kontakte findet vor dem Hintergrund einer Eskalation in der Ukraine am Vorabend des Siegestages statt, den Russland traditionell am 9. Mai feiert.
Tag des Sieges: Moskau und Washington intensivieren "Telefondiplomatie"Quelle: TASS © Pressedienst des russischen Außenministeriums

Die Intensivierung der Kontakte zwischen Moskau und Washington findet vor dem Hintergrund einer Eskalation des Konflikts in der Ukraine im Vorfeld des Tages des Sieges statt. Wie die russische Zeitung Kommersant schrieb, sei es für Moskau von entscheidender Bedeutung, Washington vor den Risiken einer weiteren Verschlechterung der Lage zu warnen.

Das Telefonat zwischen Sergei Lawrow und Marco Rubio hat am Abend des 5. Mai stattgefunden. Das Blatt wies darauf hin, dass die Außenministerien beider Staaten jedoch nur kurze Stellungnahmen veöffentlicht hätten, ohne Einzelheiten des Gesprächs anzugeben oder dessen Dauer zu erwähnen.

In der Mitteilung der russischen diplomatischen Behörde hieß es, dass das Gespräch zwischen Lawrow und Rubio "konstruktiv und sachlich" gewesen sei. 

"Die Außenminister haben einen 'Uhrenvergleich' zur aktuellen Lage in den internationalen Angelegenheiten und den russisch-amerikanischen Beziehungen durchgeführt und den Zeitplan für bilaterale Kontakte besprochen."

Tommy Pigott, der Pressesprecher des US-Außenministeriums, erklärte, dass das Telefonat auf Initiative der russischen Seite stattgefunden habe, und sagte:

"Sie haben die russisch-amerikanischen Beziehungen, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine sowie Iran besprochen."

In dem Kommersant-Beitrag wird angemerkt, dass das Telefonat zwischen Lawrow und Rubio ein seltener Kontakt der Außenminister beider Länder gewesen sei, da ihr letztes Gespräch am 20. Oktober 2025 stattgefunden habe. Damals hatten die Diplomaten die Idee eines Gipfelreffens zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und US-Präsident Trump in Budapest erörtert.

Die Zeitung wies weiter darauf hin, dass die Russlandpolitik des Weißen Hauses in den vergangenen Monaten vom US-Sondergesandtem Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner bestimmt worden sei. US-Außenminister Rubio bleibe dabei im Hintergrund.

Grund für das jüngste Gespräch zwischen Lawrow und Rubio sei die eskalierende Lage um die Ukraine im Vorfeld des Tages des Sieges gewesen, so das Blatt. Am Montag, dem Tag vor dem Telefonat, hat das Verteidigungsministerium in Moskau bekannt gegeben, dass Russland auf Anordnung des Oberbefehlshabers Wladimir Putin für den 8. und 9. Mai eine Waffenruhe ausrufen werde. "Wir gehen davon aus, dass die ukrainische Seite diesem Beispiel folgen wird", schrieb die Behörde und fügte hinzu, dass die russischen Truppen notwendige Maßnahmen ergreifen würden, um "die Sicherheit der Feierlichkeiten zu gewährleisten". 

Weiter warnte das Verteidigungsministerium: 

"Sollte das Kiewer Regime versuchen, seine verbrecherischen Pläne umzusetzen und die Feierlichkeiten zum 81. Jahrestag des Sieges zu stören, werden die Streitkräfte der Russischen Föderation einen Vergeltungsschlag mit massiven Raketenangriffen auf das Zentrum Kiews durchführen."

Russland habe sich "trotz vorhandener Möglichkeiten" bislang aus humanitären Gründen mit solchen Maßnahmen zurückgehalten, so die Behörde weiter. 

"Wir warnen die Zivilbevölkerung Kiews und die Mitarbeiter ausländischer diplomatischer Vertretungen, damit sie die Stadt rechtzeitig verlassen können."

Die Zeitung merkte weiter an, dass die russische Militärbehörde mit ihrer Erklärung Kiew nicht nur dazu aufgerufen habe, die von Moskau verkündete Waffenruhe einzuhalten, sondern auch vor Russlands Bereitschaft gewarnt habe, sofort zu reagieren, sollte Kiew die Waffenruhe brechen.

Das Blatt erinnerte daran, dass dem Gespräch zwischen Lawrow und Rubio ein Telefonat zwischen Putin und Trump am 29. April auf Initiative Moskaus vorausging. Eines der Themen war dabei Putins Vorschlag, am Tag des Sieges einen Waffenstillstand auszurufen.

Laut Juri Uschakow, dem russischen Präsidentenberater, hätten die beiden Staatschefs ähnliche Einschätzungen "des Verhaltens des Kiewer Regimes" geäußert und eingeräumt, dass Kiew den Konflikt mit Unterstützung seiner europäischen Verbündeten verlängere. Uschakow zufolge habe der US-Präsident Russlands Initiative zur Waffenruhe am Tag des Sieges unterstützt. Er merkte an, dass dieser Feiertag an "unseren gemeinsamen Sieg über den Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg" erinnere.

In dem Kommersant-Beitrag wird ferner daruaf hingewiesen, dass Wladimir Selenskij in dem Versuch, die Initiative zu ergreifen, einseitig einen Waffenstillstand vom 5. bis 6. Mai ausgerufen habe. Moskau habe diesen unkoordinierten Schritt jedoch ignoriert, was Kiew einen Grund gegeben habe, Russland die Verletzung des Waffenstillstands vorzuwerfen, so das Blatt. Sergei Sternenko, Berater des ukrainischen Verteidigungsministers, schrieb auf Facebook am Mittwoch, dem 6. Mai, dass Moskau die Waffenrufe gebrochen habe. Er fügte hinzu, dass dies "den von Putin für den 9. Mai angekündigten Waffenstillstand zunichte macht."

Das Verteidigungsministerium in Moskau berichtete seinerseits, dass die ukrainische Seite die von ihr selbst ausgerufene Waffenruhe nicht eingehalten habe. Am heutigen Morgen teilte die russische Militärbehörde mit, dass die Luftabwehrkräfte des Landes zwischen 21:00 Uhr am 6. Mai und 07:00 Uhr am 7. Mai (Moskauer Zeit) insgesamt 347 ukrainische Drohnen über mehreren russischen Gebieten abgefangen und zerstört hätten.

Angesichts der sich in den letzten Tagen intensivierenden Eskalation des Ukraine-Konflikts sei für Moskau Folgendes wichtig gewesen: Washington "vor den Risiken einer weiteren Verschärfung der Lage" und "der immer realer werdenden Gefahr eines globalen Konflikts zu warnen", in den auch Washington hineingezogen werden könnte, schrieb das Blatt abschließend. 

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