
Nebensja zu Selenskijs Brief an Putin: "Plumpe Provokation"

Der Ständige Vertreter Russlands bei den Vereinten Nationen Wassili Nebensja hat Wladimir Selenskijs jüngsten Brief an den russischen Präsidenten Wladimir Putin kommentiert. Auf einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates zur Ukraine sagte der Diplomat, dass Selenskijs offener Brief keine Friedensinitiative, sondern eine "plumpe Provokation" sei.
"Wir können nicht umhin, Selenskijs sogenannten offenen Brief an den russischen Präsidenten Putin zu kommentieren, der keineswegs eine Friedensinitiative, sondern eine plumpe Provokation ist, die dazu dient, die verzweifelten Versuche Kiews zu verschleiern, jegliche Verhandlungen zur Suche nach Wegen zur Beilegung des Konflikts zu torpedieren."
Nebensja merkte zudem an, dass Selenskij unter dem Deckmantel des Aufrufs zu Verhandlungen auf einen Medieneffekt abzielte, stattdessen aber "Drohungen und Propaganda-Klischees" wiederhole. Er fügte hinzu, dass der ukrainische Politiker, bevor "sogenannte offene Briefe zu schreiben", das eigene Dekret aufheben solle, das ihm Gespräche mit dem russischen Präsidenten verbietet.
Am vergangenen Donnerstag, dem 4. Juni, hatte Selenskij einen offenen Brief veröffentlicht, den er an Russlands Präsidenten gerichtet hat. Das Dokument wurde auf der Website des ukrainischen Präsidenten veröffentlicht. In dem Schreiben hat er Putin dazu aufgerufen, einen direkten bilateralen Dialog aufzunehmen. Selenskij schrieb, dass er und Putin die Verhandlungen an einem neutralen Ort führen könnten – in der Schweiz, der Türkei oder einem der arabischen Länder. Ihm zufolge sei Kiew bereit, "das Feuer vollständig einzustellen – für die Zeit, in der Verhandlungen andauern".

Der russische Präsident hat auf den Brief am nächsten Tag öffentlich reagiert. Auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg (SPIEF) sagte er, dass es keinen Sinn mache, sich mit Selenskij zu treffen und fügte hinzu, dass der Brief "Elemente der Unhöflichkeit" enthalte. Darüber hinaus sei eine Einstellung der Kampfhandlungen für einen Beginn des Verhandlungsprozesses über die Ukraine nicht erforderlich, so Putin. "Um Verhandlungen aufzunehmen, ist eine Einstellung der Kampfhandlungen nicht erforderlich. Nein, das ist nicht notwendig. Wir haben bereits Verhandlungen geführt, ohne die Kämpfe dafür einzustellen", betonte der Präsident auf dem Treffen mit den Leitern internationaler Nachrichtenagenturen am Rande des SPIEF.
Zuvor hat der russische Präsident das mögliche Treffen mit Selenskij zugelassen, aber erst nachdem das endgültige Friedensabkommen erzielt wurde. "Man kann sich in einem Drittland treffen, aber nur, wenn endgültige Vereinbarungen über einen Friedensvertrag erzielt werden", sagte Putin am 9. Mai gegenüber Journalisten.
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